• 23. – 26. Oktober 2020
  • Messe Wien

Wie die Handwerkskunst von Corona profitiert

Während Österreich gerade einen historischen Shutdown erlebt, sorgt der Coronavirus bei der Handwerkskunst für eine echte Renaissance. Wie das geht darüber hat Reed Exhibitions Österreich mit dem Schnitzereibetrieb Franz Stadlhofer gesprochen. 

©Franz Stadlhofer
Endlich genug Zeit für eigene Projekte, Schnitzmeister Franz Stadlhofer bei seinem Jubiläumsprojekt „Garderobenwand“. 
 

Franz und Andrea Stadlhofer waren mitten in einem ihrer begehrten Schnitzkurse, als es Schlag auf Schlag ging: „Corona-Shutdown Österreich“. Anfang März mussten alle Bildungseinrichtungen schließen. Das galt auch für die renommierte Lehrwerkstatt von „Franz Stadlhofer Schnitzstube“ im 14ten Wiener Gemeindebezirk. Für die Stadlhofers brach damit ein großer Zweig ihres Geschäfts mit Handwerkskursen weg. Aber als Optimisten können die Schnitzmeister auch dieser Ausnahmesituation noch etwas Gutes abgewinnen. „Wir haben nun endlich genug Zeit unsere eigenen Projekte voranzutreiben“, so Franz Stadlhofer. Eigene Projekte, die es wirklich in sich haben. Grund genug für Reed Exhibitions einen exklusiven Einblick in die Heimquarantäne der Handwerksmeister zu geben. 

 

1.000 Mannstunden Schnitzkunst für Garderobenwand

„Gut Ding, braucht lang Weil“ heißt es und trifft bei dem Projekt der Stadlhofers wohl ins Schwarze. Denn Andrea und Franz Stadlhofer stecken aktuell ganz viel Zeit und Mühe in eine selbst entworfene Garderobenwand für ihren Eingangsbereich. Sie besteht aus drei großen Lindenholzplatten, die in einen Rahmen gefasst sind. „Die Idee dabei ist Verborgenes im Holz sichtbar zu machen“, erklärt Andrea Stadlhofer ihr Designkonzept. Für die gesamte Garderobe wurde ein Grundraster am Computer gezeichnet, der an einigen Stellen „offen“ ist. „Nachdem das Ganze aufs Holz übertragen wurde, haben wir diese Stellen mit unseren Schnitzmessern um ca. 4 mm tiefer gelegt“, erklärt Franz Stadlhofer weiter. Für diese Vertiefungen wurde dann ein Rosettenmuster entworfen, übertragen und dann mit Kerbschnittmessern aus dem Holz geschnitzt. Am Schluss wird die gesamte Garderobe noch gebeizt und gewachst. Immerhin 700 bis 1.000 Mannstunden sollen in dieses Projekt schlussendlich fließen. „Im Moment beschäftigen uns gerade die Rosettenmuster“, sagt Franz Stadlhofer. Eine Deadline gibt es übrigens auch. Am 25. Juli soll die Garderobenwand fertig und hoffentlich auch die Quarantäne beendet sein, denn da feiert der Schnitzereibetrieb sein 25-jähriges Jubiläum.

©Franz Stadlhofer
Prognostiziert eine coronabedingte Renaissance der Handwerkskunst, Franz Stadlhofer. 
 

Wendepunkt für die Heimwerkskunst

Aber nicht nur die Stadlhofers scheinen die Corona-Quarantäne zu nutzen, auch ihre vielen Schüler tun das. Seit dem Shutdown haben nämlich Bestellungen von Werkzeug und Holz merklich zugenommen. Eine kleine finanzielle Stütze in schwierigen Zeiten, meint Franz Stadlhofer und prognostiziert sogar eine coronabedingte Renaissance für die Handwerkskunst. „Menschen nehmen sich nun gezwungenermaßen oder auch nicht mehr Zeit dafür“, erklärt er. Dabei sei dies nicht nur ein Coronatrend, geben die beiden Schnitzmeister zu Bedenken. „In einer Zeit, wo sich jeder fast alles kaufen kann, gewinnt das Handgemachte wieder mehr an Bedeutung“, weiß Andrea Stadlhofer. Die Schnitzkurse seien deswegen oft schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht und auch wenn diese derzeit auf Eis liegen, so sorgt der Virus doch in so manchem Heim für einen zweiten Frühling der Handwerkskunst. 
 

Wer nach der Krise selbst das Schnitzen erlernen möchte oder jetzt schon Material und Werkzeug zum Schnitzen benötigt, findet alle Infos und den Online-Shop auf unserer Webseite unter www.franz-stadlhofer.at .